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vital forceζωτικὴ δύναμις (gr.); vis vitalis (lat.); force vitale (fr.); Lebenskraft (ger.)

  • An immaterial force or principle viewed as present in and animating living things and sustaining their life; such a force or energy regarded as distinct from ordinary chemical and physical forces. (OED 2012)
    vitalism
    -45 (BC)

    Omne igitur, quod vivit, sive animal sive terra editum, id vivit propter inclusum in eo calorem. Ex quo intelligi debet eam caloris naturam vim habere in se vitalem per omnem mundum pertinentem. [Also lebt alles Lebendige, sei es ein beseeltes Wesen, sei es eine Pflanze, aufgrund der in ihm enthaltenen Wärme. Dem muß man entnehmen, daß diese natürliche Wärme eine Lebenskraft in sich birgt, die sich durch das ganze Weltall erstreckt.]

    Cicero (c. -45) (BC), De natura deorum [transl. by U. Blank-Sangmeister, Stuttgart 1995] II, 24; cf. 28 (II, x).

    -1st cent. (BC)

    δοκεῖ γὰρ ἡ συνεγγίζουσα χώρα τῇ μεσημβρίᾳ τὴν ἀφ´ ἡλίου δύναμιν ζωτικωτάτην οὖσαν πολλὴν ἐμπνεῖσθαι, καὶ διὰ τοῦτο πολλῶν καὶ ποικίλων, ἔτι δὲ καλῶν ζῴων φύσεις γεννᾶν.

    Didodor (-1st cent.) (BC). Ιστορική Βιβλιοθήκη II, 51.

    c. 1260

    Avic. Vitalis inquit virtus est illa, quae conservat ess spiritus qui vehiculum existit sensus, & motus.

    Vincent of Beauvais (c. 1260). Speculum naturale (Douai 1624): 1721 (XXIV, xvii).

    1555

    Quin etiam vitale robur si vegerum est pulsus natura magnus ac validus existit; si imbellicum, parvus ac languidus […]. Vitalis roboris causa non facile perspici potest: una proinde observatio, quae magnum habet in singulis momentum [si la force vitale est vigoureuse, le poulx est naturellement grand & fort; mais il es petit & foible quand elle est debile. […] Or on ne peut pas facilement reconnaistre la cause de la force vitale: c’est pourquoy il s’en faut tenir à la seule observation des autres causes qui sont d’importance]

    Fernel, J. (1555). Pathologiae libri septem: 48 [French transl. Paris 1660: 154-5].

    1675

    [Es] muß auch unser Geist und unsere Lebenskraft immerfort erqwikket und erhalten werden durch Nahrung des Leibes / und immer annehmenden Zuwachs von gesunder dienlicher Speise / aus derer Kraft und Geist auch unsere Lebenskraft und LebensGeist unterhalten und ernehret wird. Wann es nun endlich mit einem Menschen dahin kommet, daß dieser unser Geist unsere Lebenskraft / aller dinges abgenommen, die natürliche Wärme sich zur Erkältung / die lebensfähige Feuchtigkeit zur Verdorrung sich gemählig anschikket die LebensKräfe kraftlos, der muntere Geist machtlos, und das Herze so ermattet und die Lunge zum Athemhohlen entkräftiget ist, daß der Mensche nun nicht mehr Odem halten kan/ und sich also alles zum endlichen und letzten LebensAbgang anlässset und das Lebens Lichtlein / weil alles Oel / Saft und Nahrung dahin, indem verleschen muß, solches natürliches und in dem verhandenes Ende des Lebens wird alhier im Reimtexte auch sonderlich angedeutet

    Schottel, J.G. (1675). Sonderbare Vorstellung wie es mit Leib und Seel des Menschen werde kurtz vor dem Tode, in dem Tode und nach dem Tode bewandt seyn: 14.

    1701

    [By virtue of this Power, I suppose it is, That all Bodies have their Sphere of Activity, whereby they operate one upon another, more or less. That there are Dark Rays, as well as Light ones. That the Odors and other like Effluvia of Bodies, which wast, and tend to dissolve them; depend upon an External force, viz. the Air. But that the Radiations, by which Bodies are United; depend upon a force Internal, And therefore, that as the Congruity between Life and Motion, maketh the Union between the Soul and Body: So the Congruity between Motion and Motion, maketh or promoteth the Union, or Inclination, of one Body to another. […] a Vital or Directive Principle, seemeth of neccesity to be assistant to the Corporeal.

    Grew, N. (1701). Cosmologia sacra: 35.]

    1702

    I am seiz’d by Nature—How shall I View A Breathless lump of Clay—Him whose high Veins Convey’d to me this Vital Force, and Motion

    Steele, R. (1702). The Funeral: 72.

    1706

    Unser trost ist, wir haben einen lebendigen und in seine herrlichkeit eingegangenen Heiland. also kans uns an lebenskraft nicht mangeln. sind wir warhaftig gläubige, so sind wir seine glieder, nachdem er denn als unser hochgelobtes Haupt voller himmlischen lebens ist, so fliesset von ihm in seine glieder allezeit so viel lebenskraft, als uns zum göttlichen leben nötig ist

    Spener, P.J. (1706). Lauterkeit des Evangelischen Christenthums in auserlesenen Predigten: 652.

    1735

    Der sichtbaren Geschöpfe leben [...] sey dreyerley, nach der verschiedenen Lebens-Kraft. In einigen finde sich bloß die wachsende Lebens-Kraft z.E. in Kräutern, Pflantzen und Bäumen. In einigen die wachsende und empfindende Lebenskrft zugleich, z.E. in den Thieren allerley Art. Endlich in einigen die wachsende, empfindende und verstehende Lebens-Kräfte zugleich, nemlich in den Menschen.

    Friedel, J.P. (1735). Philosophische Garten-Gesellschaft: 47-8.

    1744

    Nous voyons deux sortes de forces bien distinctes dans les corps animés, la vitale & la musculaire; la force vitale est mesurée par la quantité de mouvement du pouls & de la respiration, c’est-à-dire, elle est comme le produit de leurs dilatations par le quarré de leur nombre [Wir treffen in belebten Körpern zweyerlei Kräfte an, die sich sehr wohl voneinander unterscheiden. Einst ist die Lebenskraft (vitale[)], das andere der Musculn Kraft (musculaire). Die erste wird durch die öftere Bewegung des Pulses und Athemholens abgemessen. Ich will sagen, sie ist wie das Product von Erweiterungen der Lebensgefässe durch das Quadrat ihrer Anzahl.]

    Sauvages, F.B. de (1744). Haemastatique: 15 [Germ. transl. in: Hales, S. (1748). Statick des Geblüts: 22]. 

    1752

    all medicines whatever, which tend to lessen the vis vitæ, are pernicious

    Anonymus (1752). A brief comment upon the observation communicated to the public by the very accurate and judicious Dr. Wall. Gentleman’s Magazine 66-67: 67.

    1753

    Weil […] das Wort leben, und die Redensart, wenn man saget, daß etwas mit einer lebendigen Kraft wirke, in ihren Bedeutungen nicht von einerley Weite sind, auch nicht ohne Gefahr der Verwirrung sich unter einen Begriff füglich zusammen nehmen lassen: So wird mir erlaubt seyn, einen neuen Ausdruck zu erwehlen, und den Stand der Wirksamkeit einer lebendigen Kraft unterdessen nicht das Leben, sondern die Lebendigkeit zu nennen.

    Crusius, C.A. (1753). Entwurf der nothwendigen Vernunft-Wahrheiten, wiefern sie den zufälligen entgegen gesetzet werden: 948-9 (§458).

    1771
    thierische Lebenskräfte
    Unzer, J.A. (1771). Gründe einer Physiologie der eigenthlichen thierischen Natur: 688 (§675).
    1774

    Meine Meinung ist [...], daß in dem nemlichen Augenblick, in welchem die Materie organisiret wird, und ihren unwiederruflichen Character für ihre ganze Lebensdauer erhält, der Lebensgeist ebenfalls seine Richtung und Fertigkeit überkömmt, die nur dieser und keiner anderen Art zustehet. […] ich sehe, daß man allen Grundsätzen der Physik, Dynamik, Statik und Geostatik nachforschen müsse, um sich lebhaft zu überzeugen, daß nicht die Lebensgeschäffte nach diesen ihren Gesetzen verrichtet werden können; sondern daß man hiezu eine Substanz anehmen müsse, die nichts weniger als Materie sey, und die die Quelle aller Bewegungen ist.

    Medicus, F.C. (1774). Von der Lebenskraft: 23; 26.

    1777

    [Als Thier besitzt der Mensch Seelenkräfte und körperliche Kräfte. Zu den letzten gehören sowohl die mechanischen, die eine Folge des Mechanismus des Körpers sind, als auch die Nervenkräfte. Diese letztern aber sind gleichfalls körperliche Kräfte wie die erstern, und wie jene eine Folge der Organisation. Wir kennen ihre Natur nicht, und wissen von ihren Wirkungsgesetzen noch wenig, aber so viel läßt sich sagen, daß ihre Wirkungen aus den bekannten Grundsätzen der Mechanik zur Zeit noch nicht erklaret werden können, daher sie auch durch den Namen der organichen oder Nervenkräfte von den mechanischen ganz füglich unterschieden werden.    

    Tetens, J.N. (1777). Philosophische Versuche über die menschliche Natur und ihre Entwickelung, 2 vols.: II, 149.]

    1797

    Wenn ich daher ehemals in den Aphorismen aus der chemischen Physiologie der Pflanzen, die Lebenskraft als die unbekannte Ursach betrachtete, welche die Elemente hindert, ihren natürlichen Ziehkräften zu folgen, so glaube ich in diesem Satze ein Factum ausgedrückt zu haben, welches ich, nach meinen jetzigen Einsichten, keineswegs für erwiesen halte. Ich füge diese Erklärung um so ausdrücklicher bei, da mir meine Definition der Lebenskraft, die seit 4 Jahren in so viele andere, zum Theil wichtige Lehrbücher übergegangen ist, in den Schriften der Herren Reil, Veit, Ackermann, und Röschlaub gründlich und scharfsinnig widerlegt zu seyn scheint. Wage ich es daher nicht, eine eigene Kraft zu nennen, was vielleicht bloß durch Zusammenwirken der, im einzelnen längst bekannten, materiellen Kräfte bewirkt wird, so glaube ich dagegen aus den chenischen Verhältnissen der Elemente eine desto sicherere Definition belebter und unbelebter Stoffe deduciren zu können.

    Humboldt, A. von (1797). Versuche über die gereizte Muskel- und Nervenfaser, 2 vols.: II, 432-3.

    1798

    Der Begriff Lebenskraft ist sonach ein völlig leerer Begriff. […] Das Wesen des Lebens aber besteht überhaupt nicht in einer Kraft, sondern in einem freyen Spiel von Kräften , das durch irgend einen äußern Einfluß continuirlich unterhalten wird [...]. Organisation und Leben drücken überhaupt nichts an sich Bestehendes, sondern nur eine bestimmte Form des Seyns, ein Gemeinsames aus mehrern zusammenwirkenden Ursachen aus. Das Princip des Lebens ist also nur die Ursache einer bestimmtem Form des Seyns, nicht die Ursache des Seyns selbst, (denn eine solche ist gar nicht zu denken).

    Schelling, F.W.J. (1798). Von der Weltseele. Eine Hypothese der höheren Physik zur Erklärung des allgemeinen Organismus (AA, vol. I, 6): 254.

    1799

    Die Lebenskraft kommt nicht zu dem Organismus hinzu, sondern sie ist mit und in dem Organismus zugleich gegeben

    Schmid, C.C.E. (1798-1801). Physiologie philosophisch bearbeitet, 3 Bde.: II, 371.

    1809

    la cause qui produit la force vitale dans des corps où l’organisation et l’état des parties permettent à cette force d’y exister et d’y exciter les fonctions organiques, ne sauroit donner lieu à une puissance semblable dans des corps bruts ou inorganiques, en qui l’état des parties ne peut permettre les actes et les effets qu’on observe dans les corps vivans. La même cause dont je viens de parler, ne produit, à l’égard des corps bruts ou des matières inorganiques, qu’une force qui sollicite sans cesse leur décomposition, et qui l’opère effectivement et successivement, en se conformant aux affinités chimiques, lorsque l’intimité de leur combinaison ne s’y oppose pas. Il n’y a donc nulle différence dans les lois physiques, par lesquelles tous les corps qui existent se trouvent régis; mais il s’en trouve une considérable dans les circonstances citées où ces lois agissent.    

    Lamarck, J.B. de (1809). Philosophie zoologique, 2 vols.: II, 96-7.    

    1843
    Die ganze Lehre von der Lebenskraft ist überall nichts Anderes, als das Princip der faulen Vernunft
    Schleiden, M.J. (1842-43). Grundzüge der wissenschaftlichen Botanik nebst einer methodologischen Einleitung als Anleitung zum Studium der Pflanze, 2 Bde.: II, 440.
    1844
    Lebenskraft [als] die bedingende Ursache der Form und der Eigenschaften der in den Organismen erzeugten Verbindungen
    Liebig, J. (1844). Chemische Briefe: 146.
    1848

    I have all along insisted that the power of germ production is a climax of life-force

    Meigs, C.D. (1848). Females and their Diseases: 444.

    1848
    [Die Lebenskraft ist] keine glücklichere Abstraction, als wenn man von einem kunstreichen Stoffe sagt, er sei das Erzeugniß der webenden Kraft des Stuhls. Nicht um Eine Kraft handelt es sich hier, wenn einmal von Kräften die Rede sein soll, sondern um unendlich viele in unendlich vielen Richtungen auf die mannigfachste Weise thätige, welche von Stofftheilchen ausgehen, um auf Stofftheilchen zu wirken. Also auch nicht die Eine Lebenskraft dürfte angenommen werden, wenn es einmal Lebenskräfte geben soll, sondern mindestens müßten ihrer mehrere, ja unzählige sein
    Du Bois-Reymond, E. (1848). Untersuchungen über thierische Elektricität, Bd. 1: xxxix; vgl. Carus, C.G. (1818). Ueber die verschiedenen Begriffsbestimmungen des Lebens. Deutsch. Arch. Physiol. 4, 47-60: 48.
    1860
    es giebt keine Lebenskraft
    Du Bois Reymond, E. (1860). Gedächtnisrede auf Johannes Müller: 88f.
    1921

    ζωτικὴ δύναμις […] ist […] ein ganz und gar unstoischer Begriff; man würde die Fragmente der alten Stoiker vergeblich nach ihm durchsuchen. Auch Aristoteles kennt ihn nicht, begreiflich, da der Aristotelische Dynamis-Begriff mit einem solchen Attribute unvereinbar ist. In griechischer Literatur begegnet er zuerst bei Diodor (II 51) in dem Exkurs über Arabien, und die Quelle Diodors ist – Poseidonios (S. 128). […] Die Stelle lautet: „Den sündlichen Teil Arabiens scheint die von der Sonne ausgehende Lebenskraft mit starkem Strome zu durchatmen (oder pneumatisch zu erfüllen); daher die Fülle, Mannigfaltigkeit und Schönheit der Wesen, die das Land hervorbringt.“

    Reinhardt, K. (1921). Poseidonios: 243.

    1942
    Dezentralisation der Lebenskraft
    Berg, A. (1942). Die Lehre von der Faser als Form- und Funktionselement des Organismus. Die Geschichte des biologisch-medizinischen Grundproblems vom kleinsten Bauelement des Körpers bis zur Begründung der Zellenlehre. Virchows Arch. pathol. Anat. Physiol. 309, 333-460: 445.
    1980

    Daß die Annahme von L.en schon bald darauf [scil. after 1831] überholt ist, tut ihrer Rolle in Wissenschaftstheorie und -geschichte keinen Abbruch. Man könnte den Komplex dieser Lehren als Lückenparadigma bezeichnen, weil sie sich nicht durchsetzen können, ihnen aber aus der Perspektive der Geschichte der Wissenschaftstheorie die Funktion zukommt, die Grenzen des bestehenden Paradigmas zu markieren und vorübergehend jene Lücke zu füllen, die zurückblieb, als man erkannte, daß die Kategorien des herrschenden Paradigmas nicht ausreichten, aber die Erkärungsmuster des späteren 19. und 20. Jh. noch nicht bereit standen. J.F. Ackermanns Definition, L. sei das »x für die einmal zu entdeckende unbekannte Größe« [Versuch einer physischen Darstellung der Lebenskräfte organisirter Körper, vol. 2, 1800] könnte man den L.-Theorien jener Zeit geradezu als Motto voranstellen.

    Engels, E.-M. (1980). Lebenskraft. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie, vol. 5, 122-128: 123-4. 

    2012

    die Lebenskraft unterhält über den Term der Kraft die Doppelverbindung zur physikalischen Berechnung und zur metaphysischen Begründung und hält damit [den] Status des Lebens offen. […] Die Lebenskraft ist das (instrumentelle) Objektiv und (konzeptionelle) Medium der Erforschung des biologischen Lebens. Erstmals seit Aristoteles wird das Leben als eigenständiger Bereich neben Seele und Körper oder Materie und Geist wieder denkbar, und zum ersten Mal überhaupt werden durch die experimentelle Isolierung organischer Teile überhaupt materielle Träger von ‚Leben‘ bestimmbar.    

    Thüring, H. (2012). Das neue Leben. Studien zu Literatur und Biopolitik 1750-1938: 42; 303.